Wenn Pionierprojekte zur langjährigen Erfolgsgeschichte werden

    Das gesteigerte Klimabewusstsein schlägt sich auch nieder im grossen Engagement der mit dem Label Energiestadt ausgezeichneten Städte und ihrer über fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. So ist beispielsweise seit dem Audit 2019 Siders als 50. schweizerische Energiestadt GOLD in der Königsklasse dabei und reiht sich ein neben den langjährigen Goldstädten Bern und Riehen. Letztere darf gleich drei Jubiläen feiern, während Bern einen Schweizer Punkterekord aufstellt. Suhr indes bringt als neuste Energiestadt mit einer Bürgerinitiative weiteren Elan in die Nachhaltigkeitsentwicklung.

    (Bild: pixabay.com) Die Stadt Bern hält seit 2010 das Label Energiestadt GOLD.

    Zusammen mit der Gemeinde Suhr freut sich der Trägerverein Energiestadt über deren Zertifizierung im Jahr 2019 und darf damit kurz nach Jahresbeginn bereits über fünf Millionen Energiestadteinwohner zählen.

    Der stetige Zuwachs und die zu verzeichnenden Erfolge der vergangenen zehn Jahre sind überaus erfreulich. Die mittlerweile 445 Energiestädte zeigen ausserordentlichen Innovationsgeist und engagieren sich auf politischer und sozialer Ebene für nachhaltige Projekte, welche die Ressourcen schonen. 54 Städte wurden dafür mit dem Label Energiestadt GOLD zertifiziert und rezertifiziert, der höchsten Auszeichnung für die Erfüllung besonders hoher Anforderungen. Die Stadt Bern hat dabei als Spitzenreiter in der Bewertung die Nase vorn.

    Beharrlichkeit trägt Früchte
    Seit mehr als 30 Jahren unterstützt der Trägerverein Energiestadt mit seinem Programm Städte und Gemeinden bei der Umsetzung der lokalen Energie- und Klimapolitik, die in diesem Kontext als Schlüsselpartner für die Energiestrategie 2050 betrachtet werden. Sie werden dazu motiviert, ihren energiepolitischen Handlungsspielraum optimal für eine nachhaltige Stadt- und Gemeindeentwicklung auszuschöpfen.

    Der Walliser Stadt Siders wurde im Jahr 2002 erstmals das Label Energiestadt verliehen. Im Jahr 2019, 17 Jahre später, erreichte sie den Goldstatus und wurde damit zur fünfzigsten Energiestadt der Schweiz, die diese renommierte Auszeichnung trägt. Besonders hervorzuheben sind zwei Projekte, die bauliche und soziale Massnahmen beinhalten.

    «Sierre se transforme» ist ein Umgestaltungsprojekt, welches sich um die erweiterte Erschliessung der Stadt für Fussgänger dreht und in diesem Rahmen unter anderem die Aktualisierung des Parkkonzepts in Angriff nimmt.

    Unter dem Namen «Sierre respire» bildete Siders eine kommunale Informations- und Austauschplattform, die überdies für SchülerInnen-Veranstaltungen genutzt wird und den Bürgerinnen und Bürgern Kernthemen rund um nachhaltige Entwicklung und Energie näherbringt. Seit 2018 ist der Strom für den gesamten Gemeindebezirk zu 100% erneuerbar und Siders ist auch für die Zukunft bestrebt, weitere Neuerungen und Ideen umzusetzen.

    Politischer Wandel und eine Bürgerinitiative in Suhr
    Das aargauische Dorf Suhr ist die jüngste erstzertifizierte Energiestadt. Dem aktuellen Gemeinderat ist es zu verdanken, dass sich Suhr erfolgreich für das Label Energiestadt beworben hat und sich damit auch im offiziellen Rahmen um die Zukunftsplanung bemüht. Dieses Potential bestehe aber schon seit einiger Zeit, meint die gebürtige Suhrerin Andrea Leuenberger, welche schon vor knapp 30 Jahren Kollektoren auf dem Dach ihres selbstrenovierten Hauses anbrachte und so seither warmes Wasser und Heizungswärme erhält. Sie zählt als positive Merkmale besonders die Erschliessung Suhrs mit dem öffentlichen Verkehr und die Energieoptimierung neuer und bestehender Gebäude auf. Ihr selbst ist umweltbewusste Energienutzung sehr wichtig, weshalb sie als Mitinitiantin der Bürgerinitiative suhrsolar mit dem lokalen Stromanbieter TBS zusammenarbeitet und Photovoltaikanlagen erbaut, die Strom, Heizungswärme und warmes Wasser liefern. Um die Anforderungen des Energiestadt-Labels auch in Zukunft zu erfüllen und die Reputation nach aussen weiter zu stärken, will sich suhrsolar für die Finanzierung weiterer Photovoltaikkollektoren einsetzen.

    Wie zwei Städte Goldstatus erhielten und halten
    In Riehen, einer der grössten Baselbieter Gemeinden, gibt es genügend Gründe zum Feiern. An ein- und demselben Abend konnten drei Jubiläen, 25 Jahre Geothermie-Projekt, 20 Jahre Energiestadt und 15 Jahre Energiestadt GOLD, begangen werden. Das in der Schweiz einmalige Geothermie-Projekt ermöglicht die Einsparung von über 9000 Tonnen CO2 und beweist als leuchtendes Beispiel die Effizienz von Erdwärme.

    Die Stadt Bern verfolgt schon seit einiger Zeit eine nachhaltige Umwelt- und Energiepolitik. Seit 1998 ist sie Energiestadt, 2010 erhielt sie zum ersten Mal das Label Energiestadt GOLD und sie hat es geschafft, den Goldstatus über die Jahre hinweg zu behalten. Im letztjährigen Audit erzielte sie schliesslich die höchste Punktzahl, welche in der Schweiz je vergeben wurde. In den vergangenen Jahren hat auch Bern in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. Die Energiezentrale Forsthaus vereint in einem schweizweit einzigartigen Konzept eine Kehrichtverbrennungsanlage, ein Holzheizkraftwerk und ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk und deckt einen guten Teil des städtischen Bedarfs an Strom und Wärme. Der CO2-Austoss pro Kopf konnte bisher stark gesenkt werden.

    Aber Bern hält den Blick immer noch nach vorne gerichtet, denn ausser dem Energiestadt-Programm hat sie grössere Pläne. Um die Ziele der Energie- und Klimastrategie 2025 zu erreichen, plant Bern vor allem den weiteren Ausbau des elektrifizierten öffentlichen Verkehrs und will eine weitere Pionierstadt leisten: Die klimaneutrale Verwaltung des Stadtvermögens.

    pd

    Weitere Infos zum Trägerverein Energiestadt:
    www.local-energy.swiss